Königinnenzucht – die hohe Schule der Imkerei

Heuer wars soweit. Wir haben uns in der hohen Schule der Imkerei – der Königinnenzucht – versucht. Mit eifriger Vorfreude und gebündeltem Fachwissen, durch Kursbesuche und Fachliteratur, machten wir uns Mitte Mai an die „Zuchtlatten“ und hatten gleich ein neues Lieblingswort.

Ziel der Königinnenzucht ist aus einem Bienenvolk mit guten Eigenschaften (Sanftmut, Honigleistung, Schwarmträgheit) viele Nachkommen zu ziehen, die auch diese Eigenschaften besitzen. Die Königin ist die Mutter aller Bienen im Volk, sie allein bestimmt diese Merkmale. Hat man eine gute Königin, hat man ein gutes Volk. So ist es bespielsweise auch möglich, ein schlechtes Volk durch Austausch der Königin in ein Gutes zu verwandeln.

Theoretisch funktionierts so:
Man holt sich aus einem guten Volk jüngste Bienenmaden (so klein wir möglich), befördert diese mit einem speziellem Werkzeug, der „Umlarvnadel“ in künstliche Königinnenzellen und setzt diese in ein Volk ohne Königin. Die Bienen brauchen eine neue Regentin, nehmen dieses imkerliche Geschenk dankend an und produzieren aus den fremden, guten Larven neue Königinnen. Bevor die Erste schlüpft kommen Käfige drauf, weil die Erstgeborene sonst die Konkurrenz eliminiert und schon hat man eine Batterie Königinnen bester Abstammung.

So haben wirs gemacht:
(Tag X ist der Tag des Umlarvens)

  • Tag X-9: Zwei schwache Ableger aus dem Vorjahr die Königinnen entfernt und zu einem Zuchtvolk vereinigt. Absperrgitter mit Spanngurt davor schnallen, damit keine fremde Königin zufliegt.
  • Tag X-2: Die Königinnenzellen mit etwas Zucker berieseln, überschuss vom Rahmen abklopfen und mit etwas Wasser benetzen. Es sollten pro Zelle ein paar Körnchen Zucker drinnen sein. Dann 2 Tage zum Ausputzen ins Volk hängen.
  • Tag X: Alle Nachschaffungszellen brechen (9 Tage nach Bildung des Zuchtvolkes). Mit Bienen Abschütteln – keine Zelle übersehen! Die Zuchtlatte (=Rahmen mit Königinnenzellen) aus dem Volk nehmen und die angebauten Wachsränder mit einem kleinen Messer grob entfernen, so werden die Königinnen größer. Mitten im Volk Platz lassen für die Zuchtlatte. Am selben Tag den Rahmen mit Larven versehen. Wir holten uns die Larven vom Imkereiverein Landshut im Rahmen des Kurses. Vorsichtig ohne Erschütterungen, mit feuchtem Küchentuch bedeckt zum Volk nach Hause transportieren und an die freie Stelle einhängen. (Bei uns der 13.05.16)
  • Tag X+1: Zellen auf Annahme kontrollieren (Bei uns waren es 16 von 20 Zellen)
  • Tag X+5: Königinnen käfigen
  • Tag X+12: Schlupf der Jungköniginnen und Aufteilen in Einwabenkästchen.
  • TIPP: Eselsbrücke 2-1-1 Regel: Man merkt sich den Wochentag des Umlarvens (zB. Freitag) > 2 Tage zurück rechnen (Mittwoch) + 1 Woche ist Käfigen > 1 weitere Woche ist der Schlupf. Easy!

Einwabenkästchen (EWK) befüllen:

  • gründlich reinigen (waren gebraucht)
  • Futterteig in vorgesehene Kammer
  • Anfangsstreifen einbringen
  • Bienen von einem anderen starken Volk in einen Eimer abschütteln, Holzplatte oder Deckel locker drauf. Königin nicht mitnehmen! Nur von Brutwaben verwenden. Nicht aus dem Honigraum, dort sind die Flugbienen, die nicht pflegen wollen. Vorher Eimerwand leicht mit Wasser benetzen.
  • Futterteig in EWK mit Wasser gut benetzen. Bienen brauchen Feuchtigkeit um den Teig umzusetzen.
  • Eimer aufstoßen, eine gut befüllte Schöpfkelle Bienen in das EWK geben, Scheibe drauf.
  • Königin dazugeben
  • EWK aufstoßen, sodass Königin und Bienen sich vermischen und eine Einheit bilden
  • EWK verschließen
  • In Schutzhäuschen mit offenem Deckel in Kellerhaft. (dunkel, kühl)
  • Am darauffolgenden Abend ins Freie bringen und Fluglöcher öffnen.

Wir verwenden das Zuchtvolk noch ein zweites Mal zur Zucht und teilen es dann auf Ableger auf.

Das würden wir nicht mehr so machen:

  • Königinnen nicht umhängen auf anderes geschwärmtes Volk, vermeidlich ohne Königin. Es war doch eine vorhanden und hat 6 wunderbare Zellen ausgefressen. (Wenn dann nur in Honigraum über Absperrgitter und mit Brutwabe daneben)
  • Zellen nie einhängen ohne Ausputzen lassen. Mit Putzen werden Königinnen größer und die Annahme ist wesentlich besser.
  • EWK nicht in Hauskeller in Kellerhaft geben, lieber in kühler Garage. Am nächsten Morgen war Bienen-Party im Haus dank etwas undichter Kästen.
  • Keine billige Umlarvnadel verwenden. Die original Schweizer Umlarvnadel geht wesentlich besser als die günstigen Modelle.
  • Nicht am späteren Abend umlarven. Da man die Waben abkehren muss, um die Larven nicht zu erschüttern, sollten sich möglichst wenig Bienen im Volk befinden. Besser wärend starkem Flugbetrieb machen.
  • Beim Zusetzen die Königin nicht einfach oben einlaufen lassen. Besser möglichst in die Hauptkammer stoßen, da sie sich sonst beim Futter verirrt.
  • Beim Befüllen der EWKs nicht knausern. Da sich immer Bienen verabschieden, den Schöpfer immer gut voll machen.

Fazit
Es ist ein Haufen Arbeit bis die erste Königin ein Ei legt. Doch allein die Entwicklung der Zellen zu beobachten entschädigt für Alles. Wenn wir nächstes Jahr auch noch bessere Völker haben, hat sich der Aufwand vollends gelohnt. Keep on breeding!

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